Für die Entstehung süchtigen Verhaltens sind nach heutiger Auffassung
Ursachenbündel verantwortlich, die verschiedenen individuellen sowie
überindividuellen Bereichen entstammen und komplex zusammenwirken.
Zu den möglichen Ursachen zählen individuelle körperliche, seelische,
soziale und spirituelle Bedingungen ebenso wie gesellschaftliche,
wirtschafliche und politische Gegebenheiten.

Das Wort "Sucht" leitet sich aus dem germanischen "siech" ab und weist
auf Siechtum und Krankheit hin.

Unter Sucht versteht man ein unabweisbares, starkes Verlangen nach
einem bestimmten Erlebniszustand.
Dieses Verlangen kann sich entweder auf verschiedene Drogen
(z.B. Alkohol, Medikamente, Heroin) oder aber auf bestimmte
Verhaltensweisen (z.B. Spielen, Arbeiten, Fernsehen) beziehen.

Man unterscheidet hier auch zwischen den "stoffgebundenen" und den
"stoffungebundenen" Süchten.

Das süchtige Verhalten entzieht sich zunehmend der willentlichen
Kontrolle und damit der Verantwortung des Betroffenen.

Es muss immer wieder von neuem befriedigt werden, der Süchtige kann
von seiner Sucht nicht lassen und häufig kommt es zu Dosis-Steigerungen.

Weiterhin sind schädigende Folgen im psychischen, sozialen und im
körperlichen Bereich für süchtiges Verhalten typisch.

Diese Definition macht deutlich, dass alle menschlichen Strebungen
"süchtig entarten" können.

Sucht gehört vermutlich zum Wesen des Menschen, denn zu allen Zeiten
und in allen Ländern waren Menschen davon betroffen.
Immer versuchten Menschen, sich den Nöten, Qualen und Mühen des
Alltags zu entziehen und in eine Euphorie zu entweichen, wenigsten
für eine kurze Zeit.
Die Menschen waren sich aber auch immer der damit verbundenen
Gefahren und Risiken bewußt.

Der Alkoholmissbrauch lässt sich bis ins alte China, Ägypten, Mesopotanien zurückverfolgen und im alten
Testament wird darüber berichtet.

Wie süchtiges Verhalten in einer Gesellschaft bewertet wird, hängt zum
einen von dem zugrunde liegenden Menschenbild, zum anderen von dem
vorherrschenden Wertesystem ab.

Für die Bewertung süchtigen Verhaltens in unserer Gesellschaft ist von
entscheidender Bedeutung, dass erstens Sinn und Ziel menschlichen
Lebens in unserer Gesellschaft im beruflichen Erfolg und in der Karriere
gesehen werden, im körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefinden
sowie im Erwerb und der Anwendung verschiedener Konsummittel, und dass
zweitens eindeutige Werte, auf die bezogen süchtiges Verhalten zweifelsfrei
interpretiert werden kann, nicht existieren.
Dies hat zur Folge, dass verschiedene Süchte in unserer Gesellschaft
unterschiedlich bewertet werden:
Arbeits- und Fernsehsucht z.B. sehr positiv, Alkohol- und Drogensucht
sehr negativ, Medikamenten- und Nikotinsucht liegen irgendwo in der Mitte
der Bewertung. Entscheidend ist, in welchem Umfang der Einzelne seinen Rollenverpflichtungen,
insbesondere seiner Pflicht zu arbeiten, nachkommt.

Damit es zu einer Sucht kommt, muss bei den stoffgebundenen Süchten
ein Stoff verfügbar sein, ein Anlass für dessen Erstgebrauch
(Einstieg in den Drogenkonsum). Sowie Gründe für den anhaltenden
Missbrauch sowie begünstigende Faktoren. Vergleichbares gilt für die
nicht-stoffgebundenen Süchte. Für jede Sucht und auch für jeden Einzelfall
existieren jeweils andere Bedingungskonstellationen.